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Alt 12-10-2004, 21:20
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gigant011 gigant011 ist offline
Kanes rechte Hand

 
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Bill Gates: Das Grauen
Da kaufen die Menschen Bücher von Stephen King, bleiben nachts lange auf, um sich im Fernsehen Gruselfilme anzusehen, oder sie lassen sich im Kino von Horrorschockern eine Gänsehaut überbraten. Dabei könnten sie es so einfach haben: Schweißnasse Hände, Nägelbeißen und Zähneklappern, das gibt es als schaurig-schöne Zugabe bei der

INSTALLATION VON WINDOWS 95
Unsichtbar über dem frostblauen Installationsmenü prangt Dantes Hölleninschrift: "Ihr, die ihr hier eintretet, laßt alle Hoffnung fahren." Nach ahnt der fröhliche Geselle mit der frischerworbenen bunten Update-Schachtel nicht, welches Unheil für ihn vorbereitet ist: Bill's Fate.
Nur ein unscheinbarer Mausklick, und schon verschwinden geliebte DOS-Dateien wie das majestätische XCOPY auf Nimmerwiedersehen im Schlund des Fenstermonsters. Ja, bite away these bytes! Nur ein Tastendruck, und er wird den Tag verfluchen, an dem er auf sie drückte. Denn das ist nur der Anfang.

Kein Zurück - mit schauerlichem Knirschen fällt hinter dem arglosen Update das Tor zur Rückkehr in die helle Fensterwelt von Windows 3.1 ins Schloß. Mit einem hinterlistigen Trick wird ihm vorgegaukelt, er könne mit einer simplen Sicherheitsdiskette die folgenschwere Tat ungeschehen machen. Doch wer hasenherzig die Rückkehr aus des Microtaurus' Labyrinth versucht, mit dem lächerlichen Ariadnefaden A:\UNINSTAL.EXE in der Hand - der wird mit teuflischem Grinsen ausgelacht: "Can't find UNDO95.DAT" lautet die phosphoreszierende Botschaft. Diabolisch. "Weiter!" brüllt die Stimme des Fortschritts.

IN DER FOLTERKAMMER
Kein Fürst des Finsternis, der seine Opfer mit eigener Hand quälen müßte. Dafür sind die Knechte da, die stöhnenden Programmiersklaven in den Myriaden von Code-Galeeren der Hartteil-Hersteller. Sie erdenken harmlos wirkende winzige Softwareteufel wie etwa die speicherresidenten Utilities diverser Grafikplatinen-Löter. Gestern noch ein praktisches Helferlein für den Alltag, reißt es nun Windows 95 bei lebendigem Leib in die Eingeweide aus dem Kernel, und der gefolterte Benutzer starrt starr vor Schmerz auf einen leblosen Cursorpfeil. Tage vergehen, bis der Mißhandelte überhaupt ahnt, wer ihn da dermaßen peinigt. Schlimm? Oh nein, das ist erst die Vorhölle...

HILFLOS IN DER HAND DER TREIBER
Längst sehnt sich der Updater nach einem schnellen, schmerzlosen Tod. Aber nein, seine Qual wird verlängert. Nichts ist widerwärtiger, als dem Verurteilten einen windigen Fetzen Hoffnung zu lassen: Man händigt ihm ein Modem aus. Auf daß er sich hilfesuchend und winselnd von Forum zu Forum hangele und auf den rettenden Tip aus der Hand der Leidensgenossen harre. Wer er dort bekommt, sind gehässige Flames der Kollaborateure ("Habdichdochnichso, Installation beimirtotalreibungslos") und der Lötkolbenfraktion ("Solank du kain Bedriebssystem hast was mit OS anfenkt bistu selba schult").

DIE SCHEIN-HINRICHTUNG
Der Delinquent bangt - und wird auf das Schafott geführt. Vor seinen Augen: schwarz. Der Bildschirm: erstarrt. Der DOS-Prompt, das vertraute Fünklein Leben: weg. Für immer. So tot war der PC noch nie. Nie wieder Leben? Nie wieder Farben? Nie wieder Sound? Wohin hat ihn die Software des Jahrzehnts gebracht? Nach unten. Ganz unten. Online Hilfe holen? Aber kein Modem spricht mit einem toten PC.
Wie kann jemand um Hilfe schreien, dem die Stimmbänder herausgerissen wurden?! Zorn? Wut? Aufbegehren? Nein. Eisiges Schweigen. Finsterste Gedanken: Neuformatieren der Festplatte. Er sucht nach den DOS-6-Disketten. Irgendwo muß auch noch Windows 3.1 sein. War alles umsonst? Ziellos durchblättert er die dünne Win-95-Broschüre. Sein Blick fällt auf das Wortungetüm "Problemumgehungsmodus". Er beißt an. Die [F8]-Taste: ein neues Stückchen Hoffnung. Kein Ende. Die Quälerei geht weiter.

JENSEITS DES SINNS
Zahllose weitere Neustarts im "abgesicherten Modus", neue SOS-Rufe auf der Datenautobahn, und langsam, langsam ist es erreicht: Der Wille des Updaters ist gebrochen. Er freut sich bereits über kleinste Fortschritte. Er sitzt vor einem flimmernden 60-Hertz-Bildschirm (seine 18 Monate alte Grafikkarte wird nicht mit Win-95-Treibern unterstützt). Er träumt längst nicht mehr davon, wieder eine Truecolor-Auflösung zu haben oder den Komfort der alten Mircosoft-Maustreiber. Bei jedem Neustart lauern neue Überraschungen auf ihn.
Windows 95 lebt. Nie ist es so, wie er es verließ. Er muß die Maus schütteln, damit das Booten nicht hängenbleibt. Er muß Meldungen über nicht vollständig gelöschte Treiber unbekannter Herkunft erdulden und mit Tastendruck bestätigen. Aber er ist froh, daß er wieder schreiben kann, auch wenn die Festplatte bei jeder neuen Zeile eigenartig knarzt und teure Edelsoftware von Zeit zu Zeit urplötzlich abschmiert, wertvolle Dateien mit sich reißend. Den Traum, daß seine geliebten DOS-Spiele jemals wieder laufen, hat er früh aufgegeben. Warum auch spielen?
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Mfg
GigaNT011

Lebet lang und in Frieden!!!
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