Ich kenne viel von Biermann, Prosa und Lyrik, gesungen und geschrieben. Und mein Urteil besteht. Wenn Biermann eine Meinung gefasst hat, dann folgt er ihr, ohne rechts noch links zu sehen, blindlings und mit aller Macht. Und eben darin liegt ja das Wesen des Fanatismus, eine Sache UNBEDINGT zu wollen und zu tun und für alles andere blind zu sein.
Im Grunde hat die DDR Biermann einen Gefallen getan, als sie ihn verbannte, denn dadurch war er gezwungen schätzungsweise 10 Jahre früher, als es sonst geschehen wäre, über das Wesen des Kommunismus nachzudenken. Denn wenn ein Fanatismus in den anderen umschlägt, und anderes gibt es bei Biermann ja nicht, dann muß dazwischen eine kurze Pause des Denkens und der Besinnung eintreten.
Die Art, wie Biermann seine jeweiligen Meinungen stets im tiefsten Brustton der Überzeugung in die Welt hinausposaunt liegt mir als geistigem Menschen nun einmal nicht und wird sie niemals liegen. Im Grunde ist er eine Ein-Mann-Agitpropgruppe.
Man vergleiche Biermanns Gesänge nur einmal mit denen seines großen Vorbildes, des göttlichen Heine! Wenn Heine eine Leier besitzt, wenn sein Gesang frei, witzig und geistig ist, so besitzt Biermann eine Drehorgel, mit der er dampfwalzenartig alle feineren Seiten unserer Natur plattwalzt!
Ich empfehle die Lektüre von Heines "Deutschland. Ein Wintermärchen" und danach das gleichnamig-epigonale Werk Biermanns. Übrigens ist letzteres noch am wenigsten dampfwalzenartig, weil er ja Heine zu imitieren versucht.
Danach wirst du reumütig hierher zurückkehren und zugeben, daß du unrecht hattest!
Bis dahin ist die Audienz Seiner Heiligkeit beendet!
Du darfst meinen Ring küssen und dich entfernen!
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